Eindrücke von der Reise „Ruhr trifft Bosporus“

Professor Dr. Harald Schröter-Wittke
Dr. Rüdiger Sareika

Im vergangenen Dezember haben sich im Vorfeld des Programms der Kulturhauptstädte Essen und Istanbul elffür die Kulturarbeit der EKVW Verantwortliche nach Istanbul auf den Weg gemacht, um dort mit Kulturschaffenden ins Gespräch zu kommen.

Die Beteiligten hatten alle auf verschiedene Weise schon einmal Kontakt zu muslimisch geprägten Ländern. Für die meisten war es allerdings eine faszinierende Erfahrung, wie bunt und vielfältig sich die Stadt am Bosporus darstellt. Auf den Punkt gebracht sagte ein Teilnehmer: „Es gibt in Istanbul möglicherweise mehr Parallelwelten als in Deutschland.“ Ein anderer bemerkte: „Die Dynamik der Umgestaltung, zumindest der Marmarameer - Region scheint enorm.“

Prof. Schroeter – Wittke, Paderborn war beeindruckt vom „Mut, der Vitalität und dem Know-how der Kunstschaffenden vor Ort“, von „den fairen Deals, die beim Handeln zustande kamen“, dass die „Menschen auch bei ostfriesischem Sauwetter ausgelassen open-air feierten“, vor allem aber von der „Vielfalt der Kulturen und der Menschen in Istanbul“. 

Dr. Sareika, Villigst, resümiert daher: „Die ohnehin schon vielfältigen Kontakte im Dialog mit der Türkei müssen sowohl für die kirchliche als auch für die gesellschaftliche Arbeit im Bereich Kultur und interkultureller Dialog verstärkt genutzt werden.“

Kritisch merkt Prof. Schroeter-Wittke allerdings zum Religionsrecht an: „Zwar ist die Türkei laizistisch organisiert, aber so wie dies organisatorisch vor Ort geschieht, führt dies zu einem Aussterben aller nicht?islamischen Religionen. Erschwerend kommt hinzu, dass dieses Thema gesellschaftlich völlig tabuisiert ist, vor allem in Bezug auf die Armenier und Griechen. Dass die „Istanbul-Culture-Foundation“ von der Frage nach etwaigen Beziehungen zwischen Kultur und Religion völlig überrascht wurde und mit einem klaren Nein antwortete, zeigt die vollständige Tabuisierung des Themas; denn Blasphemie ist natürlich ein Problem, wie nicht zuletzt die Mohammed-Karikaturen gezeigt haben. Die Ohnmacht gegenüber einem Religionsrecht, das religionsneutral organisiert ist, dabei aber alle "Fremdreligionen" einfach ausbluten lässt und sich dann deren Eigentum einverleibt, hat mich sehr wütend gemacht.“

Gerade weil er neben dem faszinierten auch diesen kritischen Blick einnimmt, zieht Prof. Schroeter–Wittke für seine Arbeit folgende Konsequenz: „Die Frage nach dem Verhältnis von Religion(en) und Kultur gehört ganz oben auf die kulturpolitische, auf die kunstschaffende sowie auf die ästhetische Agenda - nicht nur in der Türkei, sondern auch in Deutschland. Das Verdrängen und Nichtzurkenntnisnehmen bzw. Nichtwahrnehmen(wollen) von Religion(en) schafft einen schwelenden Bodensatz, der gute Nahrung bietet für Fundamentalismen aller Art. An diesem Punkt ist Dummheit weitaus gefährlicher als Bosheit!“

 
 
 
 
Ruhr trifft Bosporus
 

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