Streit um das Heilige Land

Dieter Vieweger: „Streit um das Heilige Land. Was jeder vom israelisch-palästinensischen Konflikt wissen sollte“, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2010, 288 Seiten, Paperback, 19,95 €, ISBN 978-3-579-06757-5
Rezensent: Gerhard Duncker
„Streit um das Heilige Land“, so lautet das neue Buch von Dieter Vieweger, dem Leitenden Direktor des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes in Jerusalem und Amman sowie Professor für alttestamentliche Wissenschaft und biblische Archäologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal. Das mit 288 Seiten recht umfangreiche Werk trägt den Untertitel: „Was jeder vom israelisch-palästinensischen Konflikt wissen sollte“. Neben einem Geleitwort des Autors empfehlen auch der Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land, Dr. Munib Younan, und der israelische Publizist Dr. Gil Yaron das vorliegende Buch. Und in der Tat, es ist lesenswert. In drei großen Abschnitten entfaltet der Autor die Problematik: 1. Der Konflikt – Worum geht es eigentlich? 2. Traditionen und Mythen – Worauf beruft man sich? 3. Geschichte und Gegenwart – Was geschah seit 1882? Mithilfe zahlreicher Fotos, Grafiken und Stichworte führt Vieweger den Leser gekonnt in die Grundproblematiken des israelisch-palästinensischen Konflikts ein, indem er etwa erläutert, warum allein schon „die Wahl des Namens für das umstrittene Land schon als Parteinahme verstanden wird“ (S. 23). Er führt ein in die jüdischen und muslimischen Traditionen und Mythen, die das Land und seine Bewohner prägen. Er erläutert die Wichtigkeit der heiligen Stätten der Religionen und zeichnet die politische Entwicklung vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart nach.
Nach zahlreichen Vorarbeiten und vielen Aha-Erlebnissen freut sich der Leser auf das Kapitel 4: Resümee und Ausblick – Was kann morgen passieren? Die Probleme sind in der Tat gewaltig und müssen gelöst werden: Das gerechte Verteilen von Süßwasser, die Schaffung eindeutiger Grenzen, Reise- und Bewegungsfreiheit, die Rückkehrfrage für palästinensische Flüchtlinge, der Status von Jerusalem. Man kann Dieter Vieweger nur zustimmen, wenn er sein Buch mit dem Satz beschließt: „Zusätzlich zum zähen Ringen um die anstehenden Sachfragen bedürfte es – ohne ‚Wenn‘ und ‚Aber‘ – eines riesigen emotionalen Aufbruchs, des mitreißenden Enthusiasmus standhafter Friedenstifter und zäher Beharrlichkeit“ (S. 256).
Am Ende des Buches findet sich ein Glossar zu verwendeten Fachtermini sowie Hinweise auf ausgewählte Literatur.
Dem vorliegenden Buch ist weite Verbreitung zu wünschen. Jeder, der ins Heilige Land reist, sei er Pilger oder Minister, sollte die Kenntnisse des Autors nutzen, um daraus für sich selber und für die Menschen im Heiligen Land Nutzen zu ziehen.


