Moscheen in Deutschland

Bärbel Beinhauer-Köhler, Claus Leggewie: „Moscheen in Deutschland. Religiöse Heimat und gesellschaftliche Herausforderung“

Rezensent: Gerhard Duncker

Verlag C. H. Beck; München 2009; 240 Seiten mit 46 farbigen Abbildungen; kartoniert; 12,95 €; ISBN 978-3-406-58423-7

Eine gesellschaftliche Randfrage ist in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses gerückt: der Bau von Moscheen, vor allem aber von Minaretten. Dürfen Muslime Moscheen bauen und wenn ja, wie? Diese Frage erhitzt nicht nur die Gemüter deutscher Stammtische, sondern rührt an Fragen grundsätzlicher Art; etwa an die Frage nach der Religionsfreiheit in unserem Land. In dem vorliegenden Buch, das einem Projekt der Herbert Quandt-Stiftung entstammt, entfalten Bärbel Beinhauer-Köhler, Professorin für Religionswissenschaft an der Universität Frankfurt am Main und Claus Leggewie, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Gießen ausführlich das Thema. Fand man Moscheen bis vor einigen Jahren vorzugsweise in Hinterhöfen und Gewerbegebieten, bemühen sich muslimische Gemeinden in den letzten Jahren verstärkt, auch repräsentative Moscheen in Stadtzentren zu errichten. Was für die einen Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins und Zeichen des Heimatgefühls in Deutschland ist, macht den anderen Angst. Das vorliegende Buch will informieren und dadurch zur Versachlichung des Themas beitragen. Es gibt einen Überblick über Geschichte, Funktion und Architektur von Moscheen in Deutschland und in islamischen Ländern, führt in die Alltagsreligiosität von Muslimen in Deutschland ein, analysiert die gegenwärtigen Moscheebaukonflikte und zeigt Wege zur Konfliktregelung und einvernehmlichen Realisierung von Moscheebauvorhaben auf. Dabei wird allerdings nicht ganz klar, an wen sich das Buch eigentlich wendet, an die (christliche) Mehrheit unserer Gesellschaft, an die (muslimische) Minderheit oder an beide?

Für den am Thema allgemein interessierten Laien sind vor allem die ersten drei Abschnitte aufschlussreich, erfährt er hier doch etwas über die Geschichte des Moscheebaus, die Funktion von Moscheen und über das Alltagsleben von Muslimen. Allerdings hätte man den Autoren schon hier einen sachkundigen Lektor zur Seite gewünscht. Bereits in einem Beiblatt muss der Verlag C. H. Beck richtig stellen, dass weder der islamisch-türkische DITIB-Verband Mitglied des Zentralrats der Muslime ist, ebenso wenig wie der Verband Islamischer Kulturzentren. Auch das angegebene Gründungsjahr der türkischen Republik stimmt nicht. Schließlich sind die Regeln der türkischen Rechtschreibung von den Autoren nicht durchgängig beachtet worden.

Aufschlussreich ist der in das Buch aufgenommene Essay des Architekten Alen Jasarevic über den Bau einer modernen Moschee in Penzberg/Bayern. Hier hat ein ungewöhnliches kunstvolles, offenes und transparent gestaltetes Gebäude einer muslimischen Gemeinde der Bürgergemeinde insgesamt zu Identität und Selbstbewusstsein verholfen.

Den zweite Teil des Buches „warum es Moscheebaukonflikte gibt und wie man sie bearbeiten kann“ sollten vor allen Dingen diejenigen lesen, die in irgendeiner Weise mit der Frage eines möglichen Moscheebaus in ihrer Nachbarschaft befasst sind. Fallbeispiele der jüngeren Vergangenheit belegen deutlich, welche Fehler man machen kann und welche man unbedingt vermeiden sollte.

Die Handlungsempfehlungen, die das Buch abschließen, richten sich im Wesentlichen wohl an Muslime und behandeln Fragen, die für das Gelingen oder Scheitern eines Projektes von großer Bedeutung sind; etwa die Frage nach der äußeren Gestalt oder dem Namen der Moschee, die Frage nach dem richtigen Grundstück sowie baurechtliche Erwägungen.

 
 
 
 
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