Kirche im Angesicht des Islam

Felix Körner: „Kirche im Angesicht des Islam. Theologie des interreligiösen Zeugnisses“; Verlag W. Kohlhammer; Stuttgart 2008; 392 Seiten; kartoniert; 19,80 €; ISBN 978-3-17-020559-8

Rezensent: Gerhard Duncker

Wie erklärt ein Christ einem Moslem das Christentum? Wie beantwortet er Fragen, die er sich vorher nicht gestellt hat, und wie geht er damit um, für Handlungen auf christlicher Seite geradezustehen, mit denen er persönlich nichts zu tun hat, etwa mit den Kreuzzügen oder der Irak-Politik der USA?
„Ecclesia coram Islam“ (Kirche im Angesicht des Islam), unter dieser Herausforderung – so Körner – lebt der zum Dialog beauftragte oder manchmal auch gedrängte Christ.

Das lateinische Wort ‚coram‘ setzt sich zusammen aus den Wörtern „cum“ und „os“, „gemeinsam“ und „Mund“. Es geht also ums Miteinandersprechen, wobei es Körner von Anfang an darum geht, deutlich zu machen, dass das Gespräch nicht in der Absicht geführt werden darf, „den anderen zu besiegen“ (S. 17).
Mit dieser Grundhaltung hat Felix Körner SJ, Dr. phil. Dr. theol., fünf Jahre an der islamisch-theologischen Fakultät in Ankara in Vorträgen, Gesprächen und Diskussionen gewirkt.

Das vorliegende Buch ist die Frucht dieser theologischen Begegnungen und Auseinandersetzungen mit Muslimen. Es ist theologisch anspruchsvoll, etwa im Abschnitt über die „Sechs notae theologiae“, ist aber auch voller Szenen, die jeder kennt, der zusammen mit Muslimen lebt. Da fragt etwa eine Schülerin nach der Bedeutung der christlichen Lehre von der Trinität und der Autor antwortet darauf u. a. mit einem öf-fentlichen Vortrag in Ankara zur Trinitätslehre – und zwar auf türkisch! Wie schwer würde manchem Theologen bei uns ein solcher Vortrag schon auf deutsch fallen!

Ausgesprochen informativ ist das 2. Kapitel des Buches: „Wahrnehmung des Christentums: Zehn türkische Gesichtspunkte“. In ihm schildert Körner etwa die Darstellung von Kirche und Christentum in türkischen Tageszeitungen, schulischen Religionsbüchern, in Freitagspredigten der staatlichen Religionsbehörde, aber auch Stellungnahmen von Politikern zur christlichen Religion, etwa die Einlassung von Minister Mehmet Aydin zur Missionstätigkeit christlicher Kirchen und Gruppen in der Türkei.

Das Buch Körners will Zeugnis ablegen als Urform heilsgeschichtlichen Redens und ganz im Sinne von 1. Petrus 3, 15. Dabei kommen Positionen zeitgenössischer katholischer, protestantischer und anglikanischer Vertreter genauso zu Wort wie die „gedachten Dialoge“ mittelalterlicher Theologen. Ziel aller Dialoge ist es nicht, so Körner, allein den Dissens zu benennen. „Der Dialog soll auch die Einsicht schaffen, dass Glaubende, die so grundsätzlich anders glauben, friedlich miteinander leben und fruchtbar miteinander reden können“, so Rainer Hermann in seiner Rezension des Buches in der FAZ vom 15. Oktober 2008. Hermann beendet seine Rezension mit der Feststellung: „Körner ist einer der kreativsten und originellsten christlichen Theologen, die sich mit dem Islam und dem Dialog mit den Muslimen beschäftigen“. Im Früh-jahr hat Papst Benedikt XVI. Pater Felix Körner an die Päpstliche Universität Gregoriana nach Rom beru-fen. Zu dieser Entscheidung kann man dem Papst nur gratulieren. Die Türkei hat jedoch ihren profiliertes-ten katholischen Theologen verloren.

 
 
 
 
Kirche im Angesicht des Islam
 

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