Islamverherrlichung

Thorsten Gerald Schneiders (Hg.), Islamverherrlichung – Wenn die Kritik zum Tabu wird, Wiesbaden, 2010

Rezensent: Eberhard Helling

Mit dem Band „Islamverherrlichung“ wird ein wichtiges Kapitel in der seriösen Publizistik aufgeschlagen, dass u.a. von W. Heitmeyer in einer Studie zur Gewalt von Jugendlichen aus verschiedenen Milieus von 1996 schon länger sehr kontrovers diskutiert wird. Nun liegt eine Sammlung von Aufsätzen vor, die eine Innenansicht eines bestimmten Islams ermöglicht – eines Islams, der nicht integrierbar sein möchte. Die 28 Beiträge des Buches sind in drei Teile aufgeteilt, wobei der erste(Grundlagen des theoretischen Diskurses) sich dem Thema zunächst sehr verhalten nähert. Die – sehr lesenswerten - Beiträge von F. Körner ( zur historisch  kritischen Auslegung des Koran in der modernen Türkei), von H. Behr (Muslim sein – zur Individualität im Islam)  oder Ö. Özsoys Plädoyer für ein aufgeklärtes Islamverständnis stellen den Lesern einen vielfältigen Islam vor, der in der Moderne angekommen ist. Von Islamverherrlichung erfährt man nur über die Stellungnahmen, die ausdrücklich abgelehnt werden. Allerdings lässt R. Badrys Beitrag zur Apostasiefrage Stimmen laut werden, die entsprechend vortieren – sodass sie zu einer Neubewertung der Scharia aufruft.

Im zweiten Teil werden Beiträge zum gegenwärtigen Umgang mit islamischem Erbe in Europa versammelt. Grundlegende Einführungen zum Thema und vor allem ausdrucksstarke Zitate, verbunden mit einer abwägenden Einschätzung prägen die Aufsätze von Abu Zaid (Fundamentalismus), M. Rohe (Islamismus in ‚Deutschland) und S. Reichmuth ( Jihad). Vor allem aber im dritten Teil (Verhalten und Eigendarstellungen  von Muslimen in Deutschland)  werden die anvisierten Positionen zur Islamverherrlichung plastisch. Aufschlussreich, weil bislang kaum dargestellt ist hier die Beschreibung der religiösen Orientierung vom Imamen von Rauf Ceylan. In seinem Beitrag werden durch ausführliche Interviews die soziologische und kulturelle Prägung religiöser Einstellungen bei dieser Personengruppe transparent: Celyan summiert seine Gespräcvhserfahrungen unter „Neo – salafitisch“, Traditionell – defensiv“ und „intellektuell – offensiv“ (S. 298 ff). An dieser Stelle ist noch weitere Forschung von Nöten, um ihre wichtige Scharnierstelle von Imamen im Integrationsprozess angemessen beschreiben und aufnehmen zu können. Auch wenn die Grundeinschätzung negativ klingt, so möchte ich mich dem Fazit von S. Reichmuth anschließen: „Es bleiben trotz gegenteiligen Anscheins viele Möglichkeiten zur Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft. Nicht zuletzt gilt es Wege zu finden, die aus der gegenwärtig wachsenden Todeskultur in Ost und West herausführen.“ (S. 196)

Das Buch ist aufgrund seiner Materialfülle, der wissenschaftlichen Gründlichkeit und guten Lesbarkeit eine Fundgrube für die eigene Meinungsbildung.

 
 
 
 
Islamverherrlichung
 

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