Der Nahe Osten und die Christen

Thomas Sternberg, Maria Kröger, Hans-Jürgen Kutzner, Karin Weglage (Hg.): „Zwischen Morgenland und Abendland. Der Nahe Osten und die Christen“, Dialogverlag, Münster 2011, 142 Seiten, kartoniert, 14,80 €, ISBN 978-3-941462-55-7

Rezensent: Gerhard Duncker

In dem vorliegenden Buch schildern zehn Autorinnen und Autoren die Situation von Christen in den Ländern des Nahen Ostens, beschreiben aber auch das Leben von Christen aus dieser Region in unserem Land. Die einzelnen Beiträge von überwiegend katholischen Autoren sind von unterschiedlicher Dichte und sprechen auch unterschiedliche Lesergruppen an.
So ist der Artikel von Adel Theodor Khoury über „Christen in Ländern des Islams“ eine sehr gute Einführung im Hinblick auf die Gesamtsituation der christlichen Minderheit im Nahen Osten. Dagegen ist der Artikel von Harald Suermann über „Die Lage der Christen im Nahen Osten im Licht der vatikanischen Nahostsynode und die Integration von Flüchtlingen aus diesen Ländern“ schon eher etwas für einen speziell interessierten Leserkreis.
Zu Recht gehen die Herausgeber in ihrem Vorwort davon aus, „dass es uralte christliche Traditionen in den Ländern des Nahen Ostens gibt, die vielen Menschen aus dem westlichen Kulturkreis nicht bewusst sind.“ Allerdings konnten die Autorinnen und Autoren sich letztlich doch nicht entscheiden, ob sie für Menschen schreiben wollten, die von der Gesamtproblematik wenig wissen oder für Menschen, die schon erhebliche Vorkenntnisse haben. So ist etwa der Artikel von Rudolf Grulich über „Christliche Türken in Deutschland und das Ökumenische Patriarchat Konstantinopel“ aufschlussreich für Leser, die vorher nichts von der entsprechenden Thematik wussten. Für Menschen, die sich allerdings einigermaßen in der Thematik auskennen, bietet der Artikel nicht viel Neues, verbleibt allzu sehr im Bereich statistischer Anmerkungen.
Als besonders lesenswert empfand der Rezensent den Artikel des Iranbeauftragten der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, Hans-Jürgen Kutzner. Eindrucksvoll schildert der Autor seine Erfahrungen mit Menschen aus dem Iran, die zu Christus finden und sich taufen lassen. Hier kommt es zur Nagelprobe für die Kirche insgesamt. Wie reagieren wir auf Menschen, die sich entschieden haben, mit Christus in ihrem Leben einen neuen Anfang zu machen? Unterstellen wir ihnen unlautere Absichten, etwa die, dass sich durch ihre Taufe besser eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland bekommen? Ermuntern wir sie, doch lieber als Muslime den Dialog mit dem Christentum zu führen oder respektieren wir ihre im wahrsten Sinne todernste Entscheidung, sich zum Christentum zu bekennen? Wie sind wir auf solche Anfragen vorbereitet und in welcher Weise wollen wir diese Menschen nach ihrer Taufe begleiten? Wichtige Fragen, die noch auf angemessene Antworten warten.

 
 
 
 
Der Nahe Osten und die Christen
 

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