Abraham
Christfried Böttrich, Beate Ego, Friedemann Eißler, Abraham in Judentum, Christentum und Islam, Göttingen 2009
Rezensent: Eberhard Helling
Mit diesem Buch zu Abraham in Judentum, Christentum und Islam ist eine Reihe von Taschenbüchern eröffnet, in der drei christliche Autoren ihre Erkenntnis zu jeweils einer zentralen Figur der drei monotheistischen Glaubenstraditionen vorlegen. Sinnvollerweise beginnt die Reihe mit Abraham, der zweite Band zu Jesus und Maria liegt bereits vor. Mit Bänden zu Mose und der Bedeutung der Ethik, zu Elia und anderen Propheten und zu Adam und Eva im Horizont der Schöpfungsthematik soll die Reihe fortgesetzt werden.
Je nach Fazit der einzelnen Teile können die Leser erfahren, was dem jeweiligen Autor ein besonders Anliegen ist. Beate Ego, Alttestamentlerin aus Osnabrück beschließt ihren Teil zum jüdischen A.-bild mit der Erkenntnis, dass „Abraham nicht nur integraler Bestandteil der Vergangenheit, sondern auch der Zukunft des Gottesvolkes“ ist. (S 57) Sie bezeichnet A. als „Repräsentanten der richtigen Gotteserkenntnis“, (S. 13), mit A. verbindet sich vor allem im antiken Judentum die Polemik gegen die Götzen( S.29 ff), sodass sich in ihm „gleichsam auch Israels Existenz“ gründet (S. 55 f). Für mich sind hier erkennbare Parallelen zum vermuteten Abrahamsbild im Islam zu finden.
Die Geschichte vom Lachen A.’s inspiriert C. Böttrich, Neutestamentler aus Greifswald dazu „ihn einmal mehr zum Vorbild“ zu wählen, weil ein Lachen „den Weg der Völker und Religionen zueinander wirkungsvoller ebnen“ könnte „als alle inhaltsschweren Manifeste“. (S. 113 f) Daher betont Böttrich auch die Bedeutung Abrahams als Segen für die Völker“ (S. 65) und verwahrt sich davor, so wie Paulus im Galaterbrief mit der Abrahamsgeschichte umzugehen, denn hier wäre die Folge eine klare Abgrenzung. (S. 82) Im Römerbrief allerdings werde ein anderer Ton angeschlagen. (S. 85ff).
Friedemann Eißler schließlich, theologischer Referent in der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin nimmt in seinem Beitrag zum islamischen Abraham das Ziel einer „Abrahamischen Ökumene“ ausgesprochen kritisch aufs Korn und resümiert, eine interreligiöse Toleranz darf sich nicht in das Prokustesbett einer Gemeinsamkeit zwängen lassen, „die nur durch Reduktion und Abstraktion zu erreichen ist“, sondern sie sollte die Religion des Anderen „als vitale Glaubens- und Lebensweise je in ihrem Zusammenhang“ akzeptieren und respektieren.“ (S. 184 f) Um dies in der gebotenen Kürze zu erreichen nimmt Eißler zunächst einen hermeneutischen Anlauf, in dem er die Bezogenheit und die Abgrenzung gegenüber Tora und Evangelium im Koran thematisiert (S. 116ff), um dann in einem ersten Teil die Entwicklung des koranischen Abrahambildes in der chronologischen Abfolge des Suren zu skizzieren und sie mit den biographischen Stationen Mohameds in Verbindung zu bringen. (S. 127ff) Ein Referat der nachkoranischen Tradition summiert die wichtigen Traditionen Abrahams vor allem im Zusammenhang der Wallfahrt (Haddsch).
Für mich steckt in der Koraninterpretation die größte Herausforderung dieses Buches. Wenn dieser Band nämlich einen Dialogprozess in Gang setzen möchte, dann könnte man mit dieser Beschreibung von F. Eißler muslimische Gesprächspartner fragen: „So sieht ein Christ das koranische Abrahamsbild. Was sagt ihr dazu? Findet ihr euch darin wieder, verzerrt es das, was ihr glaubt?“ Das könnte der Beginn, wenn nicht einer wunderbaren Freundschaft, so doch vielleicht eines interessanten Dialoges werden.


