„Pluralität sichtbar machen“

- Dr. Raschid Bockemühl, Dirk Schmäring und Ralf Lange-Sonntag vom Redaktionsteam des Interreligiösen Kalenders (Bild: ZIIAD)
Interreligiöser Kalender des Instituts für Kirche und Gesellschaft erhält muslimischen Friedenspreis
Am 24.Oktober wurde der interreligiöse Kalender „Miteinander 2011. Juden – Christen – Muslime“, herausgegeben vom Institut für Kirche und Gesellschaft, mit dem Mohammad-Nafi-Tschelebi-Friedenspreis der „Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland Amina-Abdulla Stiftung e.V.“ (ZIIAD) ausgezeichnet. Die Amina-Abdullah Stiftung würdigte damit ein Projekt, das die „Gegenseitigkeit von Juden, Christen und Muslimen in unserer Gesellschaft gefühlte Erfahrung werden lässt“. Indem mit den Festen „die tiefsten Erfahrungen, Prägungen und Kräfte unserer Seelen und unserer Gemeinschaften“ aufgegriffen werden, schaffe der Kalender „die gemeinsame Gegenwart der Verschiedenen und damit die Voraussetzung, dass Juden, Christen und Muslime gemeinsam die Zukunft ergreifen können“.
Vor etlichen muslimischen und christlichen Gästen, darunter der Vorsitzende der DITIB Deutschland, Prof. Dr. Ali Dere, und der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD und Präses der Ev. Kirche im Rheinland, Manfred Kock, stellte Hamideh Mohagheghi, Vorsitzende der Muslimischen Akademie in Deutschland und Lehrbeauftragte an der Universität Paderborn, die Arbeit des Kalenders in einen größeren Kontext. In ihrer Laudatio in der DITIB Moschee in Werl führte Mohagheghi aus, dass in einer Zeit, in der die Vielzahl der Bilder dazu führt, das Misstrauen zwischen den Religionen zu schüren, es darauf ankomme, das Vertrauen durch Begegnung und gegenseitigen Austausch aufzubauen. Dies gelinge dem Kalender in herausragender Weise, indem er „die bewegenden Momente der religiösen Praxis der jeweiligen Religion anschaulich“ mache. Mit anderen Worten: Den gängigen Feindbildern setzt der Kalender vertrauenswürdige Bilder entgegen.
Mohagheghi sieht im interreligiösen Kalender „Miteinander 2011“ die gleichen Ideale wirksam, wie sie der Namensgeber des Preises vertrat. Mohammad Nafi Tschelebi war ein Muslim syrischer Herkunft, der 1927 in Berlin das „Islam-Institut“ gründete, eine Einrichtung, an die das heutige Zentralinstitut Islam-Archiv Deutschland in Soest anknüpft. Ziel des „Islam-Instituts“ war es, die Entfremdung und Feindschaft zwischen Deutschland und der islamischen Welt zu bekämpfen. In Erinnerung an Tschelebis Eintreten für Frieden zwischen den Religionen verleiht die „Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland Amina-Abdulla Stiftung“ jedes Jahr den undotierten Friedenspreis, mit dem in diesem Jahr neben dem interreligiösen Kalender auch der Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs in Potsdam, der liberale jüdische Theologe Dr. Walter Homolka, ausgezeichnet wurde.
Der Kalender „Miteinander“ geht zurück auf eine Initiative des evangelischen Theologen Thomas Dreessen. Dessen Erfahrungen im christlich-muslimischen Dialog führten vor mehr als zwanzig Jahren zum ersten, damals noch selbstgestalteten interreligiösen Kalender. Die Idee entwickelte sich schnell weiter, und über lange Jahre hinweg leitete Dreessen im Auftrag des Instituts für Kirche und Gesellschaft eine Redaktionsgruppe, die Bilder auswählte und erklärende Texte für den Kalender verfasste, der damals noch unter dem Namen „Unser gemeinsamer Festkalender“ vertrieben wurde. Seit dem Jahr 2010 erscheint der interreligiöse Kalender mit verändertem Konzept und neuem Namen beim Luther-Verlag in Bielefeld.
An den Anfang des Projektes und an die Zeiten des Umbruchs erinnerte Pfr. Ralf Lange-Sonntag in seiner Dankesrede. Lange-Sonntag ist am Institut für Kirche und Gesellschaft als landeskirchlicher Referent für Fragen des christlich-muslimischen Dialogs tätig und arbeitet seit 2002 an der Erstellung des Interreligiösen Kalenders mit. Er betonte einerseits die Kontinuität, die er vor allem an der Orientierung an den Festen der drei monotheistischen Religionen festmachte. Andererseits entwickelte sich der Kalender in den letzten Jahren weiter. Die Fotos werden mittlerweile gezielt für den Kalender geschossen, meist vom Dortmunder Fotografen Stephan Schütze. Lange-Sonntag betonte in dieser Hinsicht auch, dass sich ein ursprünglich rein christliches zu einem interreligiösen Projekt gewandelt habe. Neben Lange-Sonntag gehören der Redaktion die evangelischen Pfarrer Niels Back und Dirk Schmäring, die jüdische Religionspädagogin Rosa Rappoport und der muslimische Islamwissenschaftler Dr. Raschid Bockemühl an. Das Miteinander der Religionen im Redaktionskreis scheint sich bewährt zu haben: Der interreligiöse Kalender „Miteinander 2012“ ist rechtzeitig zum Jahreswechsel erschienen und kann beim Luther-Verlag und in allen Buchhandlungen erworben werden:
„Miteinander 2012. Juden – Christen – Muslime“, hg. vom Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen, Luther-Verlag Bielefeld, ISBN 978-3-7858-0592-3, € 9,90
(Text: Helge Hohmann / Ralf Lange-Sonntag)


