Es gibt keine Alternative zum Dialog

- Referenten und Teilnehmer der Tagung (Foto: Dr. Christian Hohmann)
Tagung zu christlichen Minderheitskirchen in muslimisch geprägten Staaten
Im koptisch-orthodoxen Kloster in Höxter-Brenkhausen hat vom 21.-22. November 2011 eine Fachtagung zum Thema „Christliche Minderheitskirchen und der Dialog mit dem Islam“ stattgefunden, zu der die Evangelische Akademie Villigst und das Amt für Mission, Ökumene und Weltverantwortung gemeinsam eingeladen hatten.
Ein erster thematischer Schwerpunkt bildete die Geschichte und Entwicklung der christlichen Minderheitskirchen im Orient und in Nordafrika. Prof. Dr. Tamcke aus Göttingen machte deutlich, dass die aus den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung stammenden Kirchen zwar seit langem Diskriminierungserfahrungen seitens der muslimischen Gesellschaft kennen, ihre Existenz aber erst seit kurzer Zeit gefährdet ist. Die Existenz von Minderheiten ist für die Länder jedoch notwendig, weil eine monokulturelle Gesellschaft Fortschrittspotentiale kaum nutzen kann. Tamcke betonte jedoch auch, dass es keine Alternative zum Dialog gebe.
An den Überblick über die Geschichte der christlichen Minderheiten im Orient und in Nordafrika schlossen sich am Montag drei Erfahrungsberichte (Erzbischof Aydin, Prof. Dr. Drost-Abgarjan, Bischof Damian) an. Gemeinsam war allen Referenten die Erfahrung, in den jeweiligen Herkunftsländern benachteiligt worden zu sein. So können Vertreter der christlichen Minderheiten bestimmte gesellschaftliche Aufgaben und Funktionen nicht wahrnehmen. Ebenso kennen alle drei Vertreter juristische Benachteiligungen und gewalttätige Auseinandersetzungen. Alle drei Vertreter beklagen sich aber auch darüber, dass ihre Erfahrungen in Deutschland nicht gleichwertig zu den Erfahrungen der muslimischen Migranten aus der jeweiligen Herkunftskultur gewertet werden. Während die Islamkonferenz zu einer Etablierung von Fakultäten bzw. Instituten für islamische Theologie führte, werden gleichzeitig zum Beispiel die Lehrstühle für Armenologie und für den christlichen Orient abgebaut bzw. eingeschränkt.
Der Dienstag begann mit einer Führung durch das Kloster, bei der Bischof Damian sowohl die Situation der Koptischen Kirche in Deutschland darstellte als auch die Geschichte des Klosters in Brenkhausen umriss, das die Koptische Kirche für einen symbolischen Preis von einer Mark gekauft hat. Die koptische Kirche unterhält Beziehungen zu den gesellschaftlichen Institutionen vor Ort und arbeitet mit in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit besteht in der Unterstützung der heimischen Kirche in Ägypten.

- Pfr. Ralf Lange-Sonntag, Kirchenrat Gerhard Duncker (EKvW), Pfr. Dr. Markus Kneer (Erzbistum Paderborn) und Bischof Aydin (Syrisch-Orthodoxe Kirche) bei der Podiumsdiskussion (Foto: Dr. Christian Hohmann)
Die Erfahrungen aus dem türkisch-arabischen Kulturraum, die die erste Hälfte der Tagung dominierten, wurden am zweiten Tag kontrastiert mit den Erfahrungen aus Asien und Afrika, exemplarisch demonstriert an Indonesien und Tansania. Dr. Sinaga aus Indonesien berichtete von Konflikten, aber auch von einer Vielzahl von guten Beziehungen und Kooperationen zwischen den Religionen. Für Indonesien stellte er klar, dass der Islam an sich kein Problem sei, sondern dass Konflikte vor allem durch bestimmte radikale Kräfte entstehen. Ähnliches berichtete Pfr. Mbilu aus Tansania. Tansania ist insofern eine Ausnahme, als dort die christliche und die muslimische Bevölkerungszahl fast gleich hoch sind. Im Unterschied zu Nordafrika und dem Orient verläuft die Grenze zwischen den Religionen innerhalb der einzelnen Familien. Allein aus diesem Grund spielt die religiöse Zugehörigkeit gesellschaftlich und politisch eine geringere Rolle als im türkisch-arabischen Sprachraum.
Der Abschluss der Tagung bildete eine Podiumsdiskussion, in der die Frage nach den Auswirkungen auf die deutsche Gesellschaft angesprochen werden sollten. Angesichts der Diskriminierungserfahrungen und der Ängste der orientalischen Christen forderten Bischof Damian und Erzbischof Aydin mehr Solidarität von den christlichen Kirchen in Deutschland und der deutschen Politik ein. Kirchenrat Duncker von der Ev. Kirche von Westfalen aber stellte klar, dass an vielen Stellen die Solidarität schon Gestalt gewinnt, dass dies aber nicht dazu führen kann, die religiösen Rechte der muslimischen Bürger in Deutschland einzuschränken.


