Alles umsonst: Suppe, Gemüse, Reis

Eines der großen Zelte, die nach Sonnenuntergang in Istanbul zum Fastenbrechen einladen. Foto: Duncker

Zelte, Menschenmengen und sengende Hitze: Kirchenrat Gerhard Duncker über das Fastenbrechen in Istanbul

Ein großes Zelt steht auf dem Platz am Ägyptischen Basar, mitten in Istanbul, direkt am Bosporus, wo die Dampfer in Richtung Schwarzes Meer ablegen. So wie hier stehen an vielen Orten der Stadt und in der ganzen Türkei Zelte, aufgebaut von den Stadtverwaltungen, finanziert von Zeitungen, Firmen und einzelnen Wohltätern. Sie bezahlen das Essen zum Fastenbrechen im islamischen Fastenmonat Ramadan für tausende und abertausende von Menschen.

Schon eine Stunde vor dem Fastenende warten in langen Schlangen einige hundert Gläubige vor dem Zelt. Sie haben jetzt im Sommer 18 Stunden Fasten hinter sich, vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang: Kein Essen, kein Trinken und das bei 35 Grad im Schatten und einer Luftfeuchtigkeit von über 90 Prozent.

Kleine Plastikbecher mit Wasser werden von Freiwilligen verteilt, aber nur die Kinder trinken schon. Sie brauchen eh nicht mitzufasten, wollen aber doch dabei sein. Die leeren Becher werden auf den Platz geworfen, zum Unwillen einiger Touristen, die das fromme Treiben beobachten. Ein junges italienisches Paar steht am Eingang des Zeltes, sie Wasser trinkend, er einen duftenden Döner essend, was wiederum den Unwillen der wartenden Muslime hervorruft. Die beiden verstehen nicht, was die Leute haben.

Endlich, um sieben Minuten nach Acht, die Sonne ist soeben untergegangen, ertönen von allen Moscheen Böllerschüsse, die Minarette sind beleuchtet, der Muezzin ruft: Gott ist groß! Das Fasten darf gebrochen werden. Tausende von Wasserflaschen werden gleichzeitig geöffnet, das Essen im Zelt beginnt. Suppe, Gemüse, Reis und kandierte Früchte. Alles umsonst. Keiner soll heute hungrig bleiben.

Zwischen den beiden Minaretten der Moschee am Ägyptischen Basar erstrahlt eine Lichterkette. Sie ruft den Menschen zu: „Halte das Fasten und finde Gesundheit.“ Die meisten Ärzte werden das im Hochsommer anders sehen, aber das tut der Volksfrömmigkeit keinen Abbruch. Auch für Muslime ist es genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat. Und nächstes Jahr beginnt der Ramadan schon im Juli. Dann werden die vier Wochen Fasten noch heißer. (Gerhard Duncker)

 
 
 
 
Alles umsonst: Ramadan in Istanbul
 

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