"Leben. Arbeiten. Feiern" - 11. Abrahamsfest Marl

Foto: Jürgen Wolter

Rückblick und Ausblick

Im dicht gefüllten Saal des Marler Rathauses feierten am Dienstag, 13. Dezember 2011 von 18 – 21 Uhr jung und alt, Menschen aus jüdischen, christlichen und muslimischen Gemeinden wie auch religiöse Skeptiker das inzwischen „legendäre“ Gastmahl zum Abschluss des 11.Abrahamsfestes. Die Moderation lag wie immer beim Marler Abrahamsfest bei einem dreiköpfigen Team, diesmal leiteten drei Frauen im Alter zwischen 19 und 50 Jahren. Im zeitlichen Mittelpunkt des Abends standen Essen und Gespräche miteinander an dem großartigen Buffet, vorbereitet von „Moschee-Frauen“. Grußworte sprachen Bürgermeister Arndt, Weihbischof Geerlings (Münster) und DITIB-Vorsitzender Prof. Dr. Dere (Köln). Grüße kamen von Kirchenrat Duncker, der vor einem Jahr das christliche Grußwort gesprochen hatte und dabei namens der Evangelischen Kirche von Westfalen Pfarrerin Ursula August im Blick auf ihren Wechsel von Marl in die Ev. Gemeinde deutscher Sprache in der Türkei (Istanbul) verabschiedet hatte.
Weitere Höhepunkte beim 11.Abrahams-Gastmahl waren Darbietungen von zwei jüdischen Chören, vom Chor „Vocal blue“ mit christlichen Liedern und von drei Jugendlichen mit ihrem Drehtanz im Mevlana Stil, dazu die Gruppe Deryasi mit anatolischer Folklore plus westlichem Rap. Am Schluss sprachen Angehörige der drei Religionen ein Friedensgebet, das von Erol Kesici stammt (er ist derzeitiger Vorsitzender vom DITIB-Landesverand NRW und ist seit Jahren im Dialog in Marl aktiv).

Foto: Jürgen Wolter

Das 11.Abrahamsfest Marl hatte wie alle seine Vorgängerfeste seit 2001 vier Programmteile:
(1) mit Kindern, die sich in ihren Nachbarschaften anlässlich vom Firm-/Konfirmations- bzw Koran-Unterricht treffen;
(2.) mit Jugendlichen, die sich über Glauben, ihre Gemeinde und Lebensziele unterhalten, mit den beiden Gesamtschulen, die in der Synagoge lernen, und mit sieben Schulen zu kreativen Workshops zu Abrahams-Geschichten; in diesem Jahr beteiligen sich auch alle Jugendheime und Stadtteilbüros mit Jugendlichen bei sozialräumlichen Erkundungen (für Foto- und Videodokumentation); erstmalig führte das Mitmach-Projekt „Abrahamhaus“ (von der Gruppe „Kreta“ in Krefeld) Kinder aus sechs Grundschulen interaktiv in die drei Abrahamitischen Religionen ein.
(3.) mit Erwachsenen: als Auftaktveranstaltung die Podiumsdiskussion zum Thema des 11.Abrahamsfestes „Leben.Arbeiten.Feiern“ mit der Jüdin Judith Neuwald-Tasbach (Gelsenkirchen), Pfarrerin Antje Rösener (Dortmund) und dem islamischen Dialogbeauftragten Rafet Öztürk (Köln); als die offizielle Veranstaltung für ganz Marl der Abend „Einwanderung – Hier angekommen“ mit der Staatsekretärin für Integration, Zülfiye Kaykin (Düsseldorf), dem türkischen Generalkonsul Nafi Cemal Tosyali, Bürgermeister Arndt und - vor allem – mit acht Zeitzeugen, die von ihrer Einwanderung aus der Türkei und Italien bzw. aus der ehemaligen Sowjetunion berichteten. Zusätzlich kam die „Stadtrundfahrt – interkulturell“ ins Programm und wird regelmäßig wieder angeboten.
(4.) mit allen Generationen: das bereits erwähnte Abrahams-Gastmahl und – in 2011 neu – ein sog. „Familiennachmittag“ zusammen mit dem Internationalen Kinder- und Jugendfilmfestival NRW (Marl); diese Kooperation der beiden großen Marler Festivals wird wegen des großen Erfolges nächstes Jahr fortgesetzt.
Während derzeit die 15-köpfige Projektgruppe das 12.Abrahamsfest im Herbst 2012 zum Thema „Bildung: Für Würde und Verantwortung – dafür braucht es viele!“ vorbereitet, laufen einige Jugend- und Schul-Aktivitäten weiter und münden in einer Abschlusspräsentation im Theater Marl am Sonntag, 4.März nachmittags unter dem Motto „Mensch! Abraham! Heute!“
Seit Anfang an im Herbst 2001 wird das Abrahamsfest getragen von der Christlich-Islamischen Arbeitsgemeinschaft Marl in Zusammenarbeit mit den Kirchen und Moscheen in Marl, mit der Jüdischen Kultusgemeinde Kreis Recklinghausen, dem Integrationsrat Marl und der Stadt Marl. Dazu kommen jährlich weitere Kooperationspartner aus Marl und der Region, in 2011 sind es 50.
Förderung erfährt das 11. Abrahamsfest von der Ev.Kirche von Westfalen, dem Bistum Münster, der Stadt Marl, dem Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW, der Sparkasse Vest Recklinghausen, der Volksbank Marl und der Bildungs-Gewerkschaft GEW.
Das Gesamtprogramm mit Flyer und Foto-Berichten von einzelnen Veranstaltungen ist unter  www.Abrahamsfest-Marl.de einzusehen.

Text: Hartmut Dreier

 
 
 
 
Abrahamsfest Marl 2011
 

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