Lange-Sonntag verstärkt Arbeitsbereich "Islam"

- Pfarrer Ralf Lange-Sonntag. Foto: Privat
Pfarrer Ralf Lange-Sonntag verstärkt vom 1. Februar 2011 an den Arbeitsbereich "Islam" der Evangelischen Kirche von Westfalen. Damit tritt er die Nachfolge von Pfarrer Eberhard Helling an, der seit August wieder mit vollem Stellenumfang der Evangelischen Kirchengemeinde Lübbecke zur Verfügung steht.
Lange-Sonntag wird - anders als sein Vorgänger - nicht im Landeskirchenamt, sondern mit einer halben Stelle im Institut für Kirche und Gesellschaft (Haus Villigst) arbeiten.
Neben der Theologie hat Ralf Lange-Sonntag Judaistik in Jerusalem und Islamwissenschaften in Berlin und Birmingham studiert. Von 2001 bis 2004 war er Islambeauftragter des Kirchenkreises Dortmund-Mitte-Nordost. Neben seiner Referententätigkeit zu Themen des christlich-islamischen Gesprächs arbeitet er im Redaktionsteam für den interreligiösen Kalender mit, seit 2009 geschäftsführend.
Seit 2008 ist Lange-Sonntag, der als Religionslehrer am Paul-Ehrlich-Berufskolleg in Dortmund-Hacheney arbeitet, Vorstandsmitglied der "Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dortmund e.V.". Lange-Sonntag ist verheiratet und Vater von drei Kindern.
Ramadan beginnt am Mittwoch (11.8.2010)

- Am Mittwoch beginnt auch in der Türkei der Ramadan. Foto: EKvW
Am 11. August beginnt der Fastenmonat „Ramazan“ im islamischen Jahr 1431. Fromme Muslime halten das Fastenangebot unbedingt zwischen der Zeit des „imsak“, der täglich festgesetzten Zeit des Fastenbeginns und dem Sonnenuntergang ein. Zur Zeit des Abendgebetes darf das Fasten gebrochen werden.
Man bringt gemeinsam einige Minuten der Sammlung am Tisch zu, bevor der Böllerschuss das Ende des Fasttages bekannt gibt, oder die Lämpchen an den Minaretts den Beginn der abendlichen Mahlzeit verkünden. In der heutigen Zeit geben Radio oder Fernsehsender das Ende der Fastenstunden für verschiedene Regionen der Türkei bekannt. Vermögende Familien öffnen ihre Türen für Gäste, die am Essen teilnehmen können und bei den Osmanen war es Brauch, diesen Gästen kleine Aufmerksamkeiten oder Geldgeschenke zukommen zu lassen, die man „diş kirası“, Zahnmiete nannte.
Nach dem Essen gab es ein zusätzliches Gebet, das „teravih namazı“, bei dem zwanzig Kniefälle zu verrichten sind. Der Brauch der Ramazan Trommel, die als morgendlicher Weckruf zu einem kleinen Imbiss nicht nur die Fastenden weckt, ist heute noch in manchen Bezirken Istanbuls zu hören.
(Aus dem St. Georgs-Blatt, Ausgabe August/September 2010, dem Gemeindebrief der Österreichischen St. Georgs-Gemeinde Istanbul)
Engel aus Sand
Abraham-Karawane setzt Zeichen für ein respektvolles Miteinander
„Die Abraham-Karawane: Engel der Kulturen“, Kunstaktion zur Verbindung der drei Kulturhauptstädte Europas in 2010 besuchte vom 3. bis 31. Mai in 28 Tagen 14 Orte in 7 Ländern. Die 18 Reisenden aus drei Städten in NRW – Burscheid bei Köln, Essen und Marl (Kreis Recklinghausen) – kamen aus jüdischen, muslimischen und christlichen (evangelischen und katholischen) Gemeinden.
Begonnen als Basis-Initiative bekamen sie Unterstützung durch die Landtagspräsidentin Regina van Dinther als Schirmherrin, durch die Evangelische Kirche von Westfalen, die Evangelische Kirche im Rheinland, die Evangelische Kirche in Deutschland sowie die Bistümer Essen und Münster und andere.
Die Stationen waren: Augsburg, Pecs, Tuzla, Sarajevo, Kraljevo, Skopje, Thessaloniki, Istanbul, Sofia, Belgrad, Dubica, Banja Luka, Maribor und wieder Augsburg.
Die Organisatoren, zu denen unter anderen der Marler Pfarrer Hartmut Dreier und der Essener Pfarrer Willi Overbeck gehörten, wollten eine Spur der Verständigung und ein Zeichen für respektvolles Miteinander der Religionen und Kulturen setzen.
Sie stießen auf großes Interesse in Schulen, bei Verantwortlichen in Rathäusern, Religionen und auf Straßen und Plätzen. Das Kunstobjekt „Engel der Kulturen“ weckt großes Interesse bei Jung und Alt, wenn es durch Straßen gerollt wird, oder wenn es flach liegend auf Plätzen mit Sand gefüllt und wieder hoch gehoben wird, wobei ein Engel als Sandabdruck zurück bleibt, oder wenn dieses Engel-Symbol als dauerhafte Bodenintarsie einbetoniert wird.
Kirchenrat Gerhard Duncker nahm mit seiner Frau und der Marler Pfarrerin Ursula August sowie der noch amtierenden Landtagsprsidentin NRW Regina van Dinther Mitte Mai persönlich bei Aktionen in Istanbul teil.
Eindrücke von der Reise „Ruhr trifft Bosporus“

- Professor Dr. Harald Schröter-Wittke

- Dr. Rüdiger Sareika
Im vergangenen Dezember haben sich im Vorfeld des Programms der Kulturhauptstädte Essen und Istanbul elffür die Kulturarbeit der EKVW Verantwortliche nach Istanbul auf den Weg gemacht, um dort mit Kulturschaffenden ins Gespräch zu kommen.
Die Beteiligten hatten alle auf verschiedene Weise schon einmal Kontakt zu muslimisch geprägten Ländern. Für die meisten war es allerdings eine faszinierende Erfahrung, wie bunt und vielfältig sich die Stadt am Bosporus darstellt. Auf den Punkt gebracht sagte ein Teilnehmer: „Es gibt in Istanbul möglicherweise mehr Parallelwelten als in Deutschland.“ Ein anderer bemerkte: „Die Dynamik der Umgestaltung, zumindest der Marmarameer - Region scheint enorm.“
Prof. Schroeter – Wittke, Paderborn war beeindruckt vom „Mut, der Vitalität und dem Know-how der Kunstschaffenden vor Ort“, von „den fairen Deals, die beim Handeln zustande kamen“, dass die „Menschen auch bei ostfriesischem Sauwetter ausgelassen open-air feierten“, vor allem aber von der „Vielfalt der Kulturen und der Menschen in Istanbul“.
Dr. Sareika, Villigst, resümiert daher: „Die ohnehin schon vielfältigen Kontakte im Dialog mit der Türkei müssen sowohl für die kirchliche als auch für die gesellschaftliche Arbeit im Bereich Kultur und interkultureller Dialog verstärkt genutzt werden.“
Kritisch merkt Prof. Schroeter-Wittke allerdings zum Religionsrecht an: „Zwar ist die Türkei laizistisch organisiert, aber so wie dies organisatorisch vor Ort geschieht, führt dies zu einem Aussterben aller nicht?islamischen Religionen. Erschwerend kommt hinzu, dass dieses Thema gesellschaftlich völlig tabuisiert ist, vor allem in Bezug auf die Armenier und Griechen. Dass die „Istanbul-Culture-Foundation“ von der Frage nach etwaigen Beziehungen zwischen Kultur und Religion völlig überrascht wurde und mit einem klaren Nein antwortete, zeigt die vollständige Tabuisierung des Themas; denn Blasphemie ist natürlich ein Problem, wie nicht zuletzt die Mohammed-Karikaturen gezeigt haben. Die Ohnmacht gegenüber einem Religionsrecht, das religionsneutral organisiert ist, dabei aber alle "Fremdreligionen" einfach ausbluten lässt und sich dann deren Eigentum einverleibt, hat mich sehr wütend gemacht.“
Gerade weil er neben dem faszinierten auch diesen kritischen Blick einnimmt, zieht Prof. Schroeter–Wittke für seine Arbeit folgende Konsequenz: „Die Frage nach dem Verhältnis von Religion(en) und Kultur gehört ganz oben auf die kulturpolitische, auf die kunstschaffende sowie auf die ästhetische Agenda - nicht nur in der Türkei, sondern auch in Deutschland. Das Verdrängen und Nichtzurkenntnisnehmen bzw. Nichtwahrnehmen(wollen) von Religion(en) schafft einen schwelenden Bodensatz, der gute Nahrung bietet für Fundamentalismen aller Art. An diesem Punkt ist Dummheit weitaus gefährlicher als Bosheit!“
Minarett-Verbot in der Schweiz
Auch für kirchliche Vertreter ist das Ergebnis der schweizerischen Volksabstimmung überraschend gewesen. Noch Anfang November hielt der Vertreter des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes auf der EKD-Konferenz für Islamfragen in Meißen einen Erfolg der Initiative für unwahrscheinlich.
Allerdings deutete er schon an, dass für den Fall eines Erfolges der Initiative der Gang zum Europäischen Gerichtshof erwogen wird. Diese Maßnahme kann aber nur von Betroffenen, also zum Beispiel von muslimischen Verbänden getroffen werden.
Kirchliche Stimmen zum Minarett-Verbot
Islam-Experte Gerhard Duncker (epd-Meldung)
Der Islamexperte der Evangelischen Kirche von Westfalen, Gerhard Duncker, sieht in dem Schweizer Votum gegen den Bau von Minaretten ein negatives Signal für öffentlich gelebte Religion. Das könne dazu führen, dass Christen ihre Kreuze abnehmen müssten, und Muslime Minarette nicht mehr bauen dürften, sagte der Kirchenrat der Evangelischen Kirche von Westfalen in einem epd-Gespräch am Montag in Bielefeld. Immer öfter gelte eine "negative Religionsfreiheit". Wenn ein einziges Elternpaar gegen ein Kreuz in der Schule sei, bekäme diese Minderheit Recht. So werde Religion zunehmend aus dem öffentlichen Leben gedrängt, befürchtet Duncker, der auch neun Jahre EKD-Auslandspfarrer in Istanbul war.
Muslime sollten beim Bau einer Moschee bereit sein, sich auf die Umgebung einzulassen, appellierte Duncker. So könne man einen Baustil wählen, der nicht vollkommen fremd wirke. "Moscheen kommen immer dann in der Bevölkerung besser an, wenn sie nicht im klassischen osmanischen Stil errichtet werden." Positiv wahrgenommen würden Moscheen, die sich als offen und einladend auch für Nicht-Muslime präsentierten. Der geplante Moscheebau in Köln-Ehrenfeld habe durch Einbeziehung der Bewohner Transparenz ermöglicht. Zudem sorge ein Architekt, der bereits viele Kirchenbauten geplant habe, für Akzeptanz.
Stellungnahme des Schweizer Evangelischen Kirchenbunds
Interview mit Kirchenrat Gerhard Duncker im WDR2-Morgenmagazin




